Unkrautkontrolle

Unkrautkontrolle in Chinaschilf (miscanthus x giganteus)

Da wir keine Landwirte sind, haben wir uns hier Hilfe und Unterstützung gesucht und gefunden.Sollten Sie noch Fragen haben, bitte per mail an m.schulte@miscanthus-haus.de.

Auch die massenwüchsigen miscanthus -Kulturen brauchen einen Schutz vor Unkrautkonkurrenz. Man stellt sich miscanthus zwar in der Regel als übermannshohen, dichten Pflanzenbestand vor, in denen keine anderen Pflanzen bzw. Unkräuter eine Chance haben, die Kulturetablierung beginnt jedoch mit Anpflanzungen, die aufgrund der weiten Pflanzabstände (ca. 1,20 x ,70 Meter) genügend Raum für eine starke Verunkrautung bieten. Die ansonsten relativ anspruchslose Kultur benötigt daher im Bereich Pflanzenschutz eine gezielte Regulierung der Verunkrautung. Probleme mit Krankheiten oder Schädlingen treten bisher nicht wirklich auf.

Das Ziel sind im Anpflanzungsjahr weitgehend unkrautfreie Bestände. Die miscanthus -Jungpflanzen sollten keiner stärkeren Konkurrenz um Wasser oder andere Wachstumsfaktoren ausgesetzt sein. Nur so ist eine zügige Entwicklung von leistungsfähigen bzw. ertragreichen Dauerkulturbeständen gewährleistet. Die direkte Unkrautbekämpfung konzentriert sich daher auf das Anpflanzjahr und gegebenenfalls auf das Frühjahr des ersten Standjahres.

Die Unkrautregulierung beginnt bereits mit der Flächenauswahl und der Bodenbearbeitung.

Mit der Grundbodenbearbeitung kann der Unkrautdruck reduziert werden. Sinnvoll ist eine Pflugfurche mit nachfolgendem Eggen. Ein zweiter Eggenstrich direkt vor der Pflanzung kann noch einmal zusätzlich bereits angekeimte oder aufgelaufene Unkräuter beseitigen.


Mechanische Unkrautkontrolle

Eine mechanische Unkrautbekämpfung ist in miscanthus durchaus möglich. Die Besonderheiten und Probleme dieser Verfahren müssen allerdings berücksichtigt werden. Als erste Maßnahme sind Striegelbehandlungen möglich, um eine frühe Unkrautwelle zu bekämpfen. Die Jungpflanzen dürfen dabei aber auf keinen Fall geschädigt werden. Leichtere Böden mit einer größeren Pflanzentiefe sind grundsätzlich besser für eine Striegelbehandlung geeignet als schwerere Böden mit Pflanztiefe von nur 2– 3 cm.

Die Striegel sollten so flach wie möglich eingestellt werden, um die Stecklinge bzw. Jungpflanzen nicht zu beeinträchtigen. Die Unkrautwirkung ist auf einen trockenen Oberboden und auf Unkräuter, die sich noch im Keimblatt- bis frühen Laubblattstadium befinden, angewiesen. Die Durchführbarkeit und der mögliche Erfolg hängen daher stark von einer geeigneten Witterung in einem engen bzw. kurzen Zeitraum ab.

Gegen größere Unkräuter können noch Hackgeräte eingesetzt werden. Der Pflanzreihenabstand kann gegebenenfalls bereits auf die Arbeitsbreite der verfügbaren Hackgerätetechnik eingestellt werden. Im Normalfall sind ein bis zwei Hackgänge durchführbar. Die systembedingten Schwachpunkte wie die Inreihenverunkrautung und das erhöhte Erosionsrisiko bleiben aber bestehen. Hangflächen sind daher für diese Unkrautbekämpfung weniger geeignet bzw. es sollte eine Bearbeitungsrichtung entlang der Hanglinie gewählt werden.

Eine mechanische Pflege nach dem Pflanzjahr bzw. im ersten Standjahr ist kaum noch möglich. Hackgeräte mit Bodeneingriff kommen nicht mehr in Frage, da hierdurch die Wurzeln bzw. Rhizome der miscanthus -Horste zu stark geschädigt würden. Lediglich ein Abmulchen von Altunkräutern im Zwischenreihenbereich wäre im Frühjahr vor bzw. während dem Wiederaustrieb machbar, soweit geeignete Spezialgeräte zur Verfügung stehen.


Chemische Unkrautbekämpfung

miscanthus gehört zur Familie der Schilfgräser.

In Bezug auf die Herbizidverträglichkeit werden daher Wirkstoffe mit einer reinen bzw. vorwiegenden Dikotylen Unkrautwirkung grundsätzlich besser geeignet sein.

In Deutschland gibt es keine zugelassenen Herbizide mit einer Indikation in miscanthus . Potentielle Herbizidbehandlungen müssen daher durch eine Einzelfallgenehmigung für den jeweiligen Anwender „legalisiert“ werden. Das Genehmigungsverfahren nach § 18b Pflanzenschutzgesetz (Pflschg) ist jedoch relativ unproblematisch, da bei einer nawaro-Kultur keine Rückstandsfreiheit im Bereich Nahrungs- und Futtermittel geprüft werden muss. Von Seiten der Umweltverträglichkeit sind im Prinzip Präparate geeignet, für die eine vergleichbare Anwendung in anderen Ackerbaukulturen zugelassen ist. Für die Kulturverträglichkeit und Wirksamkeit ist bei der Einzelfallgenehmigung nach § 18 b Pflschg der Anwender selbst verantwortlich.

Das Antragsformular kann jeder miscanthus -Anbauer über seine Kammern beantragen:

Auf der Basis von Herbizidempfehlungen, die in der ersten Phase des miscanthus -Booms Anfang der 90er Jahre erarbeitet wurden, wurde in den Jahren 2007 bis 2009 ein neues Versuchsprogramm zur Unkrautbekämpfung in miscanthus aufgelegt. Beteiligt waren neben der LfL auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Deggendorf sowie die Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Hieraus ergibt sich eine ausreichende Anzahl an Möglichkeiten zur chemischen Unkrautbekämpfung in miscanthus (siehe Tabelle).

Anhand der vorliegenden Daten lassen sich leistungsfähige Praxisanwendungen entwickeln. Bei bekannt unkrautwüchsigen Flächen wäre z.B. eine Behandlung im Vor- oder frühem Nachauflauf mit dem Spektrum plus-pack (2,5 l/ha Stomp Aqua + 1,2 l/ha Spektrum) oder 2,0 l/ha Stomp Aqua + 3,0 l/ha Bandur geeignet. Breit wirksame Herbizid-Kombinationen mit Blatt- und Bodenwirkung für den Einsatz im Nachauflauf sind z.B. 0,8 kg/ha Tarango + 0,04 kg/ha Cato oder 2,5 l/ha Stop Aqua + 1,2 l/ha Spektrum + 1,0 l/ha Callisto für rein blattaktive Nachauflaufbehandlungen bietet die Tankmischung aus Callisto 1,0 l + Errol b 1,0 l/ha eine breite Wirksamkeit. Sonderprobleme können z.B. mit u 46 m-fluid (Disteln), Cato (Quecke), Harmonx sx (Ampfer) und Mais Banvel wg (Winden)gezielt behandelt werden. die Verträglichkeit von miscanthus gegenüber Rimsulfuron (Cato) ist sehr spezifisch. Auf keinen Fall dürfen andere gräserwirksame Sulfonylharnstoffe aus dem Maisbereich eingesetzt werden!

Bei der Bekämpfung von Altunkräutern im Frühjahr des ersten Standjahres mit Glyphosat darf der miscanthus noch keine grüne Blattmasse gebildet haben, um eine Wirkstoffaufnahme sicher zu vermeiden. Die ersten reinen Stängeltriebe scheinen allerdings noch unbedenklich zu sein.

Nach dieser Zeit bildet miscanthus in der Regel einen rasch wüchsigen und dichten Bestand, der keine Unkrautbekämpfung mehr erfordert. sollten z.B. aufgrund von Bestandeslücken im zweiten Standjahr blattaktive Nachbehandlungen nötig sein, haben sich die Präparate Callisto, Cato, Mais Banvel wg und Harmony sx auch hier als sehr verträglich erwiesen.

Herbizide mit selektiver Einsatzfähigkeit in miscanthus

 

Termin / verfahren Wirkstoff max. Menge in g/ha Präparat (bsp.) max. Menge in l bzw. kg/ha Zielpflanzen
1. Jahr (Pflanzjahr) – Vorauflauf oder früher Nachauflauf Pendimethalin 1100 Stomp Aqua 2,5 jährige Rispe, Vogelmiere, Taubnessel, Ehrenpreis, Hohlzahn, Hirtentäschel, Stiefmütterchen, Hederich
Dimethenamid-p 1000 Spektrum 1,4 Hühnerhirse, Borstenhirse, Fingerhirse, jährige Rispe, Kamille, Franzosenkraut, Taubnessel, Storchschnabel
Aclonifen 2400 Bandur 3,0 Amarant, Kamille, Gänsefuß, Melde, Franzosenkraut, Taubnessel, Ampferbl. Knöterich, Klettenlabkraut, Ackerfuchsschwanz, Hirsen, jährige Rispe
Flufenacet + Metosulam 600 + 25 Terano 0,8 Amarant, Franzosenkraut, Kamille, Klettenlabkraut, Nachtschatten, Ehrenpreis, jährige Rispe, Hühnerhirse
1. Jahr (Pflanzjahr) – Nachauflauf Mesotrione 150 Callisto 1,5 Hühnerhirse, Amarant, Gänsefuß, Melde, schwarzer Nachtschatten, Franzosenkraut, Klettenlabkraut, Kamille
Bromoxynil 350 Certrol b 1,5 Amarant, Gänsefuß, Melde, Kamille, schwarzer Nachtschatten, Windenknöterich
Mcpa 750 u 46 m-Fluid 1,5 Ackerkratzdistel, Ackersenf, Hederich, Melde, Wicke, Gänsefuß, Hirtentäschel
Rimsulfuron 12,5 Cato 50 g Hühnerhirse, Borstenhirse, Fingerhirse, jährige Rispe, Ackerfuchsschwanz, Flughafer, Kamille, Kreuzkraut, Ausfallraps, Quecke
Thifensulfuron 7,5 Harmony sx 0,015 Amarant, Hohlzahn, Kamille, Kreuzkraut, Vogelmiere, Ausfallraps, Ampfer
Dicamba 350 Mais Banvel wg 0,5 Amarant, Gänsefuß, Melde, Kreuzkraut, Nachtschatten, Windenknöterich, Winden
Fluroxypyr 180 Starane 180 1,0 Franzosenkraut, Klettenlabkraut, Nachtschatten, Knöterich-Arten, Ampfer, Winden
2. Jahr – vor dem Austrieb Glyphosat 1500 Roundup Ultramax 3,3 Altunkräuter, Quecke

 

Quelle: lfl Freising-Weihenstephan
August 2009
Klaus Gehring, Stefan Thyssen
bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenschutz
tel.: 08161/71-5651 • fax: 08161/71-5735